Ein Kieswerk plant 20 Jahre voraus: Und wir vom Vermessungsbüro Becker denken mit
- Geoffrey Becker
- 16. Juni
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Juni

In der Rheinebene liegt gefühlt in jedem Dorf eine Kiesgrube. Wer die Region aus dem Auto oder aus der Luft betrachtet, sieht eine Landschaft, die von Wasser und Abbau geprägt ist: stillliegende Seen neben aktiven Gruben, Förderanlagen am Ufer, Biotope, die sich dort entwickeln, wo früher gebaggert wurde. Für das Vermessungsbüro Becker in Kehl ist das nicht Kulisse, sondern Arbeitsgebiet. Seit Jahren betreuen wir mehrere Kieswerke in der Region. Und was auf den ersten Blick wie ein Routineauftrag wirkt, ist in Wahrheit eine der anspruchsvollsten Aufgaben, die ein Ingenieurbüro übernehmen kann. Wer ein Kieswerk begleitet, vermisst nicht nur den Ist-Zustand. Wer ein Kieswerk begleitet, denkt in Jahrzehnten.
Das Wichtigste in Kürze
Das Vermessungsbüro Becker betreut mehrere Kieswerke in der Rheinebene regelmäßig und ist auf Gewässermessung und Hydrographie spezialisiert.
Ein aktives Kieswerk muss alle zwei Jahre vollständig vermessen werden. Die Planung neuer Abbauabschnitte reicht dabei 15 bis 20 Jahre in die Zukunft.
Bei jedem Abbauvorhaben müssen unterschiedliche Interessen koordiniert werden: Betreiber, Angler, Naturschutz und Genehmigungsbehörden sitzen gemeinsam am Tisch.
Hydrographie bedeutet Seemessung mit Boot und Echolot, ein Arbeitsfeld, das kaum jemand mit dem Beruf des Vermessungstechnikers verbindet.
Der Beruf vereint Außendienst auf dem Wasser und im Gelände mit anspruchsvoller Planungs- und Modellierungsarbeit im Büro.
Was Hydrographie in der Praxis bedeutet

Die Rheinebene hat eine Eigenheit, die das Arbeiten hier grundlegend prägt: Das Grundwasser steht hoch, zwischen einem und drei Metern unter der Oberfläche. Das bedeutet, dass dort, wo gebaggert wird, sofort Wasser nachkommt. Es gibt keinen trockenen Aushub, keinen klassischen Tagebau. Von der ersten Schaufel an ist es Nassbaggerbetrieb. Und der dabei entstehende See ist kein Nebenprodukt, er ist der Arbeitsraum.
Denn alle zwei Jahre müssen aktive Kieswerke vollständig vermessen werden. Das schreibt der Gesetzgeber vor, weil die Abbaukontrolle präzise Daten verlangt: was entnommen wurde, was noch entnommen werden darf, wie sich der Seeboden verändert hat. Für uns bedeutet das, mit dem Boot auf den See hinaus zu fahren, ausgestattet mit einem Echolot, das den Boden systematisch abtastet. An Land ergänzen wir die Aufnahme mit klassischen geodätischen Methoden. Am Ende entstehen Massenermittlungen, aus denen der Betreiber abliest, wie viel Volumen noch im See steckt und wo die nächsten Abbauabschnitte beginnen können.
Das ist Hydrographie. Ein eigenständiger Bereich der Vermessung mit eigener Technik, eigener Logik und eigenem Rhythmus. Dass dieser Beruf einen regelmäßig auf das Wasser bringt, ist eines der Details, die außerhalb der Branche kaum jemand kennt. Und dass sich hinter dieser Messung eine weitaus komplexere Planungsaufgabe verbirgt, erschließt sich erst, wenn man den Zeithorizont kennt, mit dem ein Kieswerk arbeitet.
Wenn ein See für Jahrzehnte geplant werden muss

Kieswerke denken nicht in Quartalen oder Geschäftsjahren. Sie denken in Jahrzehnten und Genehmigungszyklen, die sich über viele Jahre ziehen können. Bevor ein neuer Abbauabschnitt eröffnet werden kann, muss ein vollständiger Plan vorliegen:
wie tief gebaggert wird,
in welcher Reihenfolge,
welche Randzonen unberührt bleiben
und wie das Gelände nach Abschluss des Abbaus aussehen soll.
Das ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern auch eine ökologische und gesellschaftliche Abwägung, die wir als Büro mit modellieren.
Wir erstellen 3D-Modelle der geplanten Kiesgrube, berechnen mögliche Kubaturen und arbeiten Szenarien durch, wie sich das Gelände bei verschiedenen Abbaustrategien entwickeln würde. Diese Planungen sind kein reines Vermessungsprodukt, sie sind Verhandlungsgrundlage.
Am Tisch sitzen dann Parteien mit sehr unterschiedlichen Interessen: Der Betreiber will möglichst viel Material aus dem See holen. Die Angler brauchen flache Uferzonen, damit Fische laichen können. Der BUND fordert Bruthabitate für bestimmte Vogelarten, die sich in solchen Landschaften angesiedelt haben. Und die Genehmigungsbehörde prüft, ob all das rechtlich und ökologisch standhält. Einen Plan zu entwickeln, der diesen Anforderungen gleichzeitig gerecht wird, ist eine beratende Leistung, die weit über das klassische Vermessungsgeschäft hinausgeht.
Was dabei entsteht, gilt allerdings für Jahrzehnte. Und manchmal zieht ein solcher Plan dann auch konkrete Ingenieuraufgaben nach sich.
Es geht vor allem darum, die Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen. Denn qualitativ hochwertige Kiese und Sande sind leider nicht unendlich verfügbar. Zudem ist der Abbau dieser Rohstoffe immer mit Eingriffen in die Umgebung verbunden, ob durch Inanspruchnahme von Flächen oder Veränderungen der umliegenden Landschaften. Auch diese Ressourcen sind endlich, und jeder steht vor der großen Herausforderung, so sparsam wie möglich damit umzugehen und trotzdem den hohen Bedarf an Rohstoffen zu decken.
Das Förderband-Projekt

Vor einigen Jahren wurde eines der Kieswerke, die wir betreuen, erweitert. Ein neuer See sollte erschlossen werden, der einige Hundert Meter vom bestehenden Aufbereitungswerk entfernt lag. Die Frage war, wie das Material vom neuen See dorthin gelangen sollte, wo es gesiebt, gewaschen und nach Größe sortiert wird.
Die Entscheidung fiel auf ein Transportband mit einer Länge von rund 1,3 Kilometern.
Unsere Aufgabe war die vollständige Ingenieurvermessung für dieses Band. Jedes Fundament musste so präzise geplant und abgesteckt werden, dass der Stahlbauer seine Konstruktion anschließend passgenau einhängen konnte. Bei einer Länge von 1,3 Kilometern, über unebenes Gelände, sind selbst kleine Abweichungen in der Höhenlage oder im Winkel ein Problem. Am Ende hat alles gepasst, und das Band läuft seitdem. Das ist der Moment, auf den man hinarbeitet.
Die Arbeit an Kieswerken zeigt besonders deutlich, wie Vermessung und langfristige Planung ineinandergreifen. Eine ähnliche Verbindung findet sich auch in unserem anderen großen Schwerpunkt, der Gewässermessung für die öffentliche Hand.
Ausbildungsplatz beim Vermessungsbüro G. Becker
Interesse an einer Ausbildung zum Vermessungstechniker in Kehl? Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es hier:

Dämme, Flüsse und Hochwasserschutz

Entlang von Kinzig, Rench, Elz und Dreisam werden kontinuierlich Dämme saniert, die teils noch aus den 1930er Jahren stammen, gebaut in einer Zeit, als Baggertechnik und ökologische Anforderungen andere waren. Viele dieser Bauwerke haben bis heute gehalten, aber die Anforderungen an Sicherheit im Hochwasserfall, Böschungsneigungen, Unterhaltsbarkeit und Eingriff in die umliegende Landschaft haben sich verändert. Heute werden solche Dämme in kurzen Abschnitten saniert, während der Rest in Betrieb bleibt. Wo eine Verbreiterung nicht möglich ist, weil ein schützenswertes Biotop direkt angrenzt, kommen Spundwände zum Einsatz. Dies bedeutet in der Ausführung eine präzise Planung im engen Spielraum.
Unsere Arbeit begleitet auch solche Projekte von der Entwurfsvermessung, also der genauen Bestandsaufnahme vor Beginn der Planung, bis in die Bauausführung. Hinzu kommt die Arbeit an Hochwassergefahrenkarten: Unterlagen, die zeigen, welche Gebiete bei einem Hochwasserereignis betroffen wären. Gewässer verändern sich, Auen verschieben sich, Siedlungsgebiete wachsen. All das musste zunächst erfasst und dann auch regelmäßig aktualisiert werden, damit die Karten der Realität entsprechen, auf deren Grundlage Kommunen und Behörden über Sicherheit und Stadtentwicklung entscheiden.
Diese Breite der Aufgaben, von der Seemessung auf dem Kieswerk bis zur Entwurfsvermessung am Hochwasserdamm, prägt auch das Berufsbild für alle, die bei uns arbeiten oder einsteigen.
Ausbildungsplatz beim Vermessungsbüro G. Becker
Interesse an einer Ausbildung zum Vermessungstechniker in Kehl? Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es hier:

Was dieser Beruf wirklich verlangt und bietet

Wer eine Ausbildung zum Vermessungstechniker in einem Büro wie unserem beginnt, erlebt einen Beruf, der sich nicht in eine Schublade ordnen lässt:
Ein Teil der Arbeit findet draußen statt: auf dem Boot bei der Seemessung, in oder an Flüssen bei der Bestandsaufnahme, an abgelegenen Orten oder mitten in der Stadt, auf der freien Wiese oder auf der Großbaustelle.
Der andere Teil findet drinnen statt: am Rechner, beim Erstellen von 3D-Modellen, bei der Massenermittlung, beim Aufbereiten von Planungsunterlagen, die die Grundlagen für weitere Arbeitsschritte bilden. Beides gehört zusammen.
Was draußen gemessen wird, muss drinnen ausgewertet werden. Was drinnen berechnet wird, muss draußen umsetzbar sein. Diese Verbindung ist der Kern des Berufsbilds. Wer hier einsteigt, lernt nicht einen Ausschnitt der Vermessung, sondern erlebt, wie technische Präzision, planerisches Denken und der direkte Umgang mit Landschaft und Gewässern zu einem Beruf zusammenwachsen, der breiter ist, als sein Name vermuten lässt.
Ausbildungsplatz beim Vermessungsbüro G. Becker
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Ein Beruf, der mehr Sichtbarkeit verdient

Viele Menschen wissen nicht genau, was ein Vermesser tut und halten ihn manchmal für ein notwendiges Übel ohne den Mehrwert, den er ihnen liefern kann, zu erkennen. Bis etwas nicht stimmt. Wenn Maße nicht passen, wenn Fundamente verschoben sind, wenn eine Planung an der Realität scheitert, wird schnell klar, was vorher gefehlt hat. Der Vermesser kommt früh, arbeitet präzise und zieht weiter. Wenn alles gut geht, bleibt seine Leistung unsichtbar.
Dabei ist der Bedarf nicht kleiner geworden. Der Raum, auf dem wir alle leben, bauen und wirtschaften, wird nicht größer. Aber immer mehr soll auf ihm untergebracht werden: Wohnungen, Infrastruktur, Gewerbe. Den besten Bezug zu diesem Raum hat der Vermesser, weil er ihn misst, modelliert und langfristig begleitet.
ASV-Kurse des abv
Der abv organisiert jährlich einen sechswöchigen überbetrieblichen Kurs für alle drei Lehrjahre. Alle Informationen zu Terminen und Inhalten gibt es hier:

✍ Autor: Geoffrey Becker, Geschäftsführer Vermessungsbüro G. Becker in Kehl



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